Giganten auf schmaler Spur

Wer diese Maschinenkolosse sieht, will nicht glauben, dass sie auf ein nur 76 cm breites Gleis passen. Und doch fahren unsere zwei „Großen“ alle auf dieser schmalen Spur. Hohe Ingenieurskunst und trickreiche Fahrwerke machen es möglich.

Lok 22

Lok 22

Schon ein Mordstrumm, unsere Lok 22.

1939 als HF 191 für die deutsche Heeresfeldbahn gebaut, kam sie im 2. Weltkrieg zur Ostfront. An diese schlimmen Zeiten erinnern zwei Sitze im Tender. Dort nahm das bewaffnete Wachpersonal Platz.

Heute sitzen da drin nur noch friedliche Mitfahrgäste. Übrigens: Erst zwischen 1943 und 1945 wurde die fünfachsige Maschine auf 750 mm umgespurt, vorher musste sie sich mit 600 mm begnügen. Kein Problem: Sie passiert Bogenradien bis 30 Meter! Hohlachsen und eine mittlere Achse ohne Spurkränze machen’s, dass die 22er gut „um die Kurve“ kommt.

Seit 2016 gehört sie nach etlichen Etappen im In- und Ausland dem Club 760. Wenn sie auf der Taurachbahn unterwegs ist, säumen zahlreiche Fotografen die Gleise.

Über diese Maschine hat Werner Schleritzko zusammen mit Club-760-Kassier August Zopf eine Broschüre verfasst. Die gibt es unter „SKGLB 22 – Borsig 14806/1939 – “Eine Lokomotive kehrt heim“ ISBN: 978-3-902894-61-8. Bei Interesse mail an info@club760.eu.

Lok Stokr
Lok Stokr

Bilder: Pavel Schreier

Skoda 1932 “Mály Štokr”

„Mály Štokr“ ist ihr Spitzname. Denn die U57.001 ist gebürtige Tschechin.

Skoda in Pilsen hat sie 1949 für die bosnisch-herzegowinische Steinbeisbahn gebaut. Dann kam sie zu einer jugoslawischen Kohlebahn. Aber dort gefiel es ihr nicht, oder besser: Sie kam dort kaum zum Zuge. Aber auf die Skoda 1932 hatte der Club 760 ein Auge geworfen, und 1989 kaufte er sie. Doch sie durfte zurück in die alte Heimat.

Im blauen Farbkleid dampft sie nun zwischen Třemešná ve Slezsku (Röwersdorf) nach Osoblaha (Hotzenplotz) im heute tschechischen Mährisch-Schlesien auf 20 km 760-mm-Gleis. Diese moderne Dampflokomotive hat der Club 760 an die Bahngesellschaft Slezské zemské dráhy langfristig verliehen. Der Koloss schafft trotz 52 Tonnen Gewicht und fünf Achsen ohne weiteres einen 50-Meter-Radius. Auch ihr verpassten nämlich Ingenieure und hochbegabte Handwerker seitenverschiebbare und spurkranzlose Achsen. So „flutscht“ die eigenwillige Maschinenschönheit „leichtfüßig“ über die kleinen Gleise.